Sie haben sich auf eine Handvoll Anzeigen beworben, die zu Ihrem Profil passen, und nichts gehört. An Ihrer Qualifikation liegt das selten. Positionen auf Geschäftsführer- und Vorstandsebene werden meist vergeben, bevor eine Anzeige erscheint: diskret, über Personalberater, Aufsichtsräte und Empfehlungen. Dieser Beitrag erklärt, warum Unternehmen auf dieser Ebene nicht ausschreiben, was ich in der Executive Search auf der anderen Seite des Tisches gesehen habe und welche drei Dinge Führungskräfte tun, die schnell wieder in Gesprächen sind. Dadurch verbringen Sie Ihre Zeit dort, wo Ihre nächste Rolle tatsächlich entschieden wird, und nicht in einem Bewerbungssystem, das für Fachkräfte gebaut ist.
Warum bewerben sich C-Level-Führungskräfte nicht auf Stellenanzeigen?
Weil die Positionen, um die es auf dieser Ebene geht, selten ausgeschrieben werden. Wer eine Geschäftsführung oder einen Vorstandsposten neu besetzt, will das diskret tun: Der Vorgänger ist oft noch im Amt, der Aufsichtsrat will keine Unruhe, und der Kreis der infrage kommenden Personen ist klein genug, um ihn direkt anzusprechen. Eine Anzeige würde Hunderte Bewerbungen produzieren, von denen keine passt, und dem Markt signalisieren, dass im Haus etwas im Umbruch ist. Deshalb laufen diese Besetzungen über Personalberater, über das Netzwerk des Aufsichtsrats oder über Empfehlungen. Die Stellenanzeige ist auf dieser Ebene die Ausnahme, und wer sich ausschließlich darauf verlässt, spielt auf dem falschen Spielfeld.
Was die Zahlen aus der Praxis sagen
Ein Finanzvorstand brachte es im Handelsblatt auf den Punkt: „In meiner Preisklasse werden die meisten Stellen ohnehin nicht ausgeschrieben.“ Ein CIO aus dem Handel formulierte es ähnlich: Auf seiner Ebene habe er noch nie eine offene Ausschreibung erlebt. Diese Beobachtung deckt sich mit dem, was Sie sehen, wenn Sie heute die großen Jobportale nach Positionen ab etwa 150.000 Euro durchsuchen: wenige Treffer, und die meisten davon stammen von Personalberatungen, die ein Mandat halten und den Auftraggeber nicht nennen.
In meiner Zeit in der Executive Search habe ich diese Mandate von der anderen Seite des Tisches gesehen. Der Auftraggeber nannte ein Profil, wir bauten eine Long-List aus 40 bis 80 Namen, und daraus wurden sechs bis acht Gespräche. Niemand aus dieser Liste hatte sich beworben. Alle wurden gefunden, weil ihr Profil in ein Suchmuster passte: Branche, Rolle, Unternehmensgröße, bestimmte Stationen. Wer in diesem Muster nicht auftauchte, existierte für die Suche nicht, so gut er auch gewesen sein mag.
Warum die Bewerbung auf der Anzeige trotzdem so verlockend ist
Sie sind eine erfahrene Führungskraft, und Sie haben in Ihrer Laufbahn selten etwas dem Zufall überlassen. Wenn der Markt sich nicht von selbst meldet, liegt es nahe, aktiv zu werden, und die Stellenanzeige ist der sichtbarste Weg. Das ist verständlich. Nur kommt auf der anderen Seite etwas anderes an als Initiative: Ihre Unterlagen landen in einem System, das für Fachkräfte gebaut ist, nicht für Entscheider. Ein ATS filtert nach Schlagworten, ein Recruiter sichtet in Sekunden, und ein Profil mit 25 Jahren Verantwortung passt in keine Rubrik. Das Ergebnis kennen viele: Funkstille, oder nach Wochen eine Absage mit „überqualifiziert“.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht „Wo finde ich die passenden Anzeigen?“, sondern „Wer besetzt gerade eine Rolle wie meine, und wie erfährt diese Person von mir?“
Was stattdessen funktioniert
Drei Dinge beobachte ich bei Führungskräften, die auf dieser Ebene schnell wieder in Gesprächen sind. Erstens haben sie ihre Zielrolle auf einen Satz gebracht, so präzise, dass ein Personalberater sie in ein Suchmuster einsortieren kann. Zweitens kennen sie die Berater, die in ihrer Branche und Größenklasse Mandate halten, und haben ihnen ein klares Signal gegeben, was sie suchen. Drittens haben sie eine kurze Liste von Unternehmen, bei denen ihre Erfahrung gerade gebraucht wird, und sprechen die Entscheider dort direkt an, mit Empfehlung, wo immer das geht.
Keines davon ist eine Bewerbung. Es ist Marktarbeit, und sie kostet in den ersten Wochen mehr Überwindung als ein Klick auf „Jetzt bewerben“. Dafür führt sie dorthin, wo die Positionen tatsächlich vergeben werden. Und jeder Monat, den Sie auf dem sichtbaren Markt verbringen, ist ein Monat, in dem Ihr Profil dort nicht auftaucht, wo gerade gesucht wird.
Das ist einer der Wege, natürlich gibt es auch andere. Welche Kanäle auf Ihrer Ebene wie stark wiegen und wo Ihr persönlicher Zugang liegt, steht im White Paper „Verdeckter Stellenmarkt“.