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Karriere-Blog · Auszeit und Lebenslauf

Die Auszeit ist keine Lücke.

Eine Pause zwischen zwei Rollen trägt, wenn Sie sie vorher entscheiden, begrenzen und in einem Satz erzählen können.

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Lesezeit
rund sieben Minuten
Für wen
Für Führungskräfte, die zwischen zwei Positionen bewusst eine Pause einlegen wollen oder gerade eine hinter sich haben

Nach fünfzehn, zwanzig Jahren ohne echte Unterbrechung wünschen sich viele Führungskräfte eine Pause zwischen zwei Rollen. Ein paar Monate für die Familie, eine Weiterbildung, eine lange Reise, oder einfach Zeit, um zu sortieren, was als Nächstes kommen soll. Gleichzeitig steht die Sorge im Raum, dass der Markt genau diese Monate gegen Sie auslegt. Dieser Beitrag zeigt, woran Entscheider eine bewusste Auszeit von einer Lücke unterscheiden, welche Fragen Sie vorher beantworten sollten, wie Sie die Auszeit erzählen und warum ein Mandat parallel oft der beste Schutz ist. Dadurch nehmen Sie sich die Zeit, ohne dass sie Ihnen im nächsten Vorstellungsgespräch nachhängt.

Im Erstgespräch fällt der Wunsch oft erst am Ende, fast beiläufig: „Eigentlich würde ich gern erst mal ein paar Monate gar nichts machen.“ Meist folgt sofort die Frage, ob man sich das leisten könne, und gemeint ist nicht das Geld. Gemeint ist der Lebenslauf. Ich halte diesen Wunsch für berechtigt, gerade bei Menschen, die zwanzig Jahre lang ihren Kalender anderen überlassen haben. Ob die Auszeit Ihnen später nützt oder schadet, entscheidet sich allerdings vorher, nicht hinterher.

Auszeit oder Lücke: der Unterschied

Von außen sehen beide gleich aus: ein Zeitraum im Lebenslauf ohne Position. Ein Personalberater liest sie trotzdem verschieden, und zwar an einer einzigen Frage. Wer hat hier entschieden?

Eine Lücke entsteht, wenn die Zeit über Sie entschieden hat. Die Trennung kam, die Suche lief nicht an, aus Wochen wurden Monate. Erzählt wird sie hinterher, und man hört es. „Ich habe mir erst mal Zeit genommen“ klingt nach einer Erklärung, die nachgereicht wird.

Eine Auszeit ist eine Entscheidung, die Sie vorher treffen. Sie hat einen Grund, einen Anfang und ein Ende, und Sie können in einem Satz sagen, was Sie in dieser Zeit getan haben. Entscheider auf Führungsebene haben dafür meist mehr Verständnis, als man fürchtet. Viele von ihnen hätten sich selbst gern eine solche Zeit genommen. Was sie nicht mögen, ist Unklarheit. Eine Führungskraft, die über ihre eigenen Monate nicht souverän spricht, wirft die Frage auf, wie souverän sie über ein Budget spricht.

Wie der Markt eine Zeit ohne Position Monat für Monat liest und warum die Uhr ab der Freistellung läuft, steht im Beitrag Die Uhr läuft ab der Freistellung. Hier geht es um die Monate, die Sie bewusst wählen.

Was Sie davon haben: Sie wissen, dass nicht die Länge der Pause über ihre Wirkung entscheidet, sondern ob sie erkennbar Ihre Entscheidung war.

Drei Fragen, bevor Sie die Auszeit beginnen

Eine Auszeit trägt, wenn Sie drei Fragen beantwortet haben, bevor sie beginnt. Schriftlich, für sich selbst, und am besten im Gespräch mit dem Menschen, mit dem Sie den Alltag teilen.

Wofür? Eine Auszeit braucht einen Zweck, der sich in einem Satz sagen lässt. Die Pflege eines Elternteils, eine Weiterbildung, ein Jahr mit den Kindern vor deren Auszug, ein Projekt, das Sie seit Jahren aufschieben. Auch Erholung ist ein Zweck, wenn Sie wissen, was danach anders sein soll. „Einfach mal raus“ ist keiner. Er wird in der Rückschau zur Lücke.

Bis wann? Legen Sie ein Datum fest, ab dem Sie wieder im Markt sind, und sagen Sie es den Menschen, die es wissen müssen. Wie lange die Auszeit dauert, hängt von Ihrer Situation ab, von Ihrer Branche, vom Alter, von dem, was Sie danach suchen. Eine allgemeine Frist, ab der eine Auszeit schädlich wird, halte ich für wenig hilfreich. Entscheidend ist, dass Sie die Dauer gewählt haben und sie einhalten. Eine Auszeit mit offenem Ende verlängert sich fast immer.

Was bleibt im Markt? Auch während der Auszeit sollte jemand wissen, dass es Sie gibt. Zwei, drei Personalberater, die Ihre Zielrolle kennen und wissen, ab wann Sie wieder verfügbar sind. Ein Profil, das zeigt, wofür Sie stehen. Mehr braucht es oft nicht.

Was Sie davon haben: Ihre Auszeit hat einen Zweck, ein Ende und eine Verbindung zum Markt, und Sie gehen nicht in eine Pause, aus der Sie erst einmal wieder herausfinden müssen.

So erzählen Sie die Auszeit

Erzählt wird eine Auszeit wie jede andere Station: kurz, sachlich, mit einem Ergebnis. Dafür gibt es drei Orte.

Im Lebenslauf steht die Auszeit als eigene Zeile, mit Zeitraum und einer Beschreibung in einem Satz. „Bewusste Auszeit: Begleitung meines Vaters in seinem letzten Lebensjahr, parallel Abschluss eines Programms für Aufsichtsräte.“ Wer sie verschweigt oder die letzte Station einfach verlängert, riskiert eine Rückfrage, die schwerer zu beantworten ist als die Zeile selbst.

Auf LinkedIn gilt dasselbe. Plattformen bieten inzwischen eigene Einträge für Pausen an. Nutzen Sie sie, mit derselben Formulierung wie im Lebenslauf.

Im Gespräch reicht ein Satz, gefolgt von dem, was die Auszeit Ihnen gebracht hat, für Ihre nächste Rolle. „Nach dem Verkauf des Unternehmens habe ich mir bewusst sechs Monate genommen, um zu entscheiden, ob ich wieder in eine Geschäftsführung will. Die Antwort ist ja, und zwar in einem Unternehmen, das noch wachsen muss.“ So erzählt, wird die Auszeit zur Begründung Ihrer Zielrolle.

Ist „Ich brauchte eine Pause“ eine schlechte Antwort? Nicht unbedingt. Sie ist nur unvollständig. Ein Entscheider hört darin die Frage, ob Sie wieder voll belastbar sind, und wenn Sie diese Frage offen lassen, beantwortet er sie selbst. Ergänzen Sie, was Sie in der Zeit entschieden haben und warum Sie jetzt bereit sind. Dann wird aus einer Pause ein Zeichen von Urteilsvermögen.

Was Sie davon haben: Lebenslauf, Profil und Gespräch erzählen dieselbe Auszeit mit demselben Ergebnis, und die Frage danach ist in einer halben Minute beantwortet.

Beirat, Interim, Advisory: ein Mandat parallel

Die beste Erzählung für eine Auszeit ist eine, in der Sie nicht ganz weg waren. Viele Führungskräfte verbinden die freie Zeit mit einem Mandat, das wenig Tage im Monat braucht und den Kontakt zum Markt hält.

  • Beirat oder Aufsichtsrat. Ein Mandat in einem mittelständischen Unternehmen bringt Sie regelmäßig mit Gesellschaftern und Geschäftsführern zusammen, also genau mit den Menschen, die über Ihre nächste Position mitentscheiden. Wie man zu einem solchen Mandat kommt, steht im Beitrag Aufsichtsrat werden?
  • Ein kurzes Interim-Mandat. Wenige Monate in einer klar umrissenen Aufgabe zeigen, dass Sie gefragt sind und liefern. Wählen Sie es so, dass es zu Ihrer Zielrolle passt, und nicht nur, weil es angeboten wird.
  • Advisory. Beratende Rollen für Investoren oder junge Unternehmen, oft mit wenig Zeitaufwand und viel Einblick in Märkte, die Sie für später interessieren.
  • Eine Weiterbildung mit Gewicht. Ein Programm an einer Business School oder für künftige Aufsichtsräte ist eine Zeile, die im Lebenslauf für sich spricht, wenn sie zu dem passt, was Sie danach vorhaben.

Eine Warnung gehört dazu. Ein Mandat, das Ihre Auszeit füllt, kann auch Ihre Zielrolle verwässern. Wer drei Beiratsmandate, ein Interim und eine Beratung nebeneinander führt, wirkt nach außen schnell wie jemand, der sich nicht entscheiden will. Ein Mandat genügt. Es soll Ihre Geschichte stützen, nicht ersetzen.

Was Sie davon haben: Ihre Auszeit hat eine Zeile im Lebenslauf, die Gespräche mit Entscheidern ermöglicht, und Ihr Name taucht im Markt weiter auf, während Sie Zeit für anderes haben.

Die Rückkehr in den Markt

Das Ende der Auszeit verdient dieselbe Sorgfalt wie der Anfang. Einige Wochen vor dem Datum, das Sie sich gesetzt haben, beginnen Sie mit der Vorbereitung: Zielrolle prüfen, Profil aktualisieren, die Personalberater informieren, mit denen Sie vorher gesprochen haben. Dann sind Sie zum geplanten Zeitpunkt wirklich im Markt, nicht erst auf dem Weg dorthin.

Ein Punkt wird dabei oft vergessen: Die Menschen, die Sie während der Auszeit informiert haben, brauchen ein Signal, dass es jetzt so weit ist. Eine kurze Nachricht an die Personalberater, die Ihre Zielrolle kennen, ein aktualisierter Eintrag im Profil, ein Anruf bei den zwei, drei Menschen aus Beirat oder Interim-Mandat, die Sie weiterempfehlen könnten. Wer still aus der Pause zurückkommt, wartet darauf, dass jemand es bemerkt.

Schwieriger ist die Lage, wenn die Pause nicht gewählt war. Nach einer Trennung nennen viele Führungskräfte die ersten Monate rückblickend eine Auszeit, weil es besser klingt. Personalberater hören den Unterschied. Ehrlicher und wirksamer ist es, diese Zeit als das zu erzählen, was sie war: eine Phase, in der Sie sortiert und entschieden haben, wohin es geht. Wenn Sie in dieser Zeit etwas Konkretes getan haben, ein Mandat, eine Weiterbildung, ein Projekt, gehört es in denselben Satz.

Und wenn die Auszeit länger geworden ist als geplant? Dann erzählen Sie auch das, ehrlich und mit dem Grund. Wer zugibt, dass er sich mehr Zeit genommen hat, und sagt, wofür, wirkt souveräner als jemand, der die Monate wegerklären will.

Ergebnis vom Ergebnis: Ein Personalberater fragt im ersten Telefonat nach den acht Monaten in Ihrem Lebenslauf. Sie erzählen von der Zeit mit Ihrer Familie und vom Beiratsmandat, das Sie in dieser Zeit übernommen haben, in drei Sätzen. Er lacht kurz und sagt, das hätte er sich auch gern gegönnt. Dann fragt er nach dem Beirat, und zehn Minuten später sprechen Sie über die Geschäftsführung, für die er Sie vorschlagen will. Die Auszeit ist in seinen Notizen eine Zeile, und sie steht auf der richtigen Seite.
Sabine Lanius
Über die Autorin

Sabine Lanius ist Executive Karriereberaterin und ehemalige Headhunterin. Aktiv im Bereich Executive Sparring, Executive Search und berufliche Neuorientierung seit 1998. Rund 1.500 Führungskräfte beraten. Unabhängig von Unternehmen und Personalberatungen.

Eine Auszeit geplant, und der Wiedereinstieg noch offen?

Ein Erstgespräch mit Sabine Lanius, bevor die Pause beginnt.

Zwanzig Minuten am Telefon, vertraulich, kostenfrei. Abwarten ist auch eine Entscheidung, nur meist die teuerste. Das Erstgespräch ist für Führungskräfte, die ihren nächsten Schritt angehen wollen: Am Ende wissen Sie, wie Ihre Auszeit im Markt ankommt und ob eine Zusammenarbeit für Sie passt.

20 Minuten, kostenfrei und vertraulich