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Karriere-Blog · Headhunter

Active Sourcing: So finden Personalberater Ihr LinkedIn-Profil

Veröffentlicht
Lesezeit
rund sieben Minuten
Für wen
Für Geschäftsführer, Bereichsleiter und C-Level-Führungskräfte, die von Personalberatern gefunden werden wollen, ohne öffentlich zu signalisieren, dass sie wechseln möchten.

Ein Personalberater hat einen neuen Suchauftrag: Geschäftsführung Vertrieb, Maschinenbau, Süddeutschland. Er öffnet sein Suchwerkzeug, setzt ein paar Begriffe und Filter, und nach wenigen Minuten steht eine erste Liste mit Namen. Ob Ihr Name dabei ist, entscheidet sich lange bevor jemand Ihren Lebenslauf sieht. Es hängt an Wörtern, an Ihrer Headline und an Signalen, die Ihr Profil sendet oder eben nicht. Dieser Artikel zeigt, wie diese Suche abläuft und an welchen Stellen Sie Ihr Profil gezielt anpassen können. Dadurch tauchen Sie in den Suchergebnissen auf, die für Ihre nächste Position zählen, und bleiben dabei diskret.

Wie eine Suche auf der anderen Seite des Tisches beginnt

Aus meiner Zeit in der Personalberatung kenne ich den Ablauf von innen. Am Anfang steht ein Gespräch mit dem Auftraggeber, aus dem ein Kandidatenprofil entsteht: Funktion, Branche, Größe des Verantwortungsbereichs, Region, manchmal Sprachen oder Erfahrung mit Private Equity. Dieses Profil übersetzt der Researcher in eine Suche. Auf LinkedIn heißt das: Positionsbezeichnungen, Stichworte, Filter für Ort, Branche und Unternehmensgröße.

Das Ergebnis ist eine Longlist, oft mit mehreren Dutzend Namen. Wer darauf landet, wird genauer angesehen. Wer nicht darauf landet, existiert für dieses Mandat nicht, ganz gleich, wie gut er ist. Active Sourcing ist also zuerst ein Filter, erst danach eine Beurteilung. Und dieser Filter arbeitet mit Wörtern, die in Ihrem Profil stehen.

Viele Führungskräfte gehen davon aus, dass ihre Erfahrung für sich spricht. Das tut sie auch, im Gespräch. In der Suche spricht nur, was geschrieben steht.

Suchbegriffe: Die Sprache des Auftraggebers zählt

Researcher suchen mit den Begriffen, die im Auftrag stehen. Das sind fast immer Funktionsbezeichnungen und Fachbegriffe aus der Branche, selten interne Titel. „Head of Commercial Excellence EMEA“ mag in Ihrem Konzern präzise sein, gesucht wird aber vielleicht nach „Vertriebsleiter“, „Sales Director“ oder „Geschäftsführer Vertrieb“. Häufig kombiniert der Researcher mehrere Varianten, auf Deutsch und auf Englisch.

Prüfen Sie deshalb Ihr Profil mit einer einfachen Frage: Mit welchen drei bis fünf Begriffen würde ein Auftraggeber die Position beschreiben, die Sie als Nächstes übernehmen wollen? Diese Begriffe gehören an die Stellen, die in der Suche Gewicht haben:

  • in die aktuelle Positionsbezeichnung, ergänzt um eine allgemein verständliche Funktion, wenn Ihr Titel intern geprägt ist,
  • in die Headline,
  • in den Info-Bereich und in die Beschreibung Ihrer letzten Stationen, mit Branche, Umsatz- oder Mitarbeiterverantwortung und Themen wie Restrukturierung, Internationalisierung oder Integration.

Ein Profil, das alles abdeckt, passt in kein Suchmuster. Wer zehn Kompetenzen gleichrangig aufführt, wird für keine davon gefunden. Die Auswahl ist eine Positionierungsentscheidung, keine Formatierungsfrage.

Headline und Info-Bereich: Die ersten Zeilen entscheiden über den Klick

In der Ergebnisliste sieht der Researcher Ihren Namen, Ihr Foto, Ihre LinkedIn-Headline und Ihre aktuelle Position. Auf dieser Grundlage entscheidet er in Sekunden, ob er Ihr Profil öffnet. Eine Headline, die nur den Firmennamen und einen internen Titel nennt, verschenkt diese Sekunden.

Bewährt hat sich eine Headline, die Funktion, Branche und Ihren Schwerpunkt in einer Zeile verbindet, etwa „Geschäftsführer Industriegüter · Vertrieb und Internationalisierung · Mittelstand“. Sie sagt dem Researcher, wo er Sie einordnen kann, und sie enthält genau die Wörter, nach denen er sucht.

Der Info-Bereich wird gelesen, sobald jemand Ihr Profil öffnet. Die ersten zwei, drei Sätze sind ohne Klick auf „mehr anzeigen“ sichtbar. Dort steht am besten, welche Art von Aufgabe Sie lösen und mit welchem Ergebnis, belegt mit einer Zahl oder einem Beispiel. So wird Ihr Profil zu der Landingpage, auf der ein Berater entscheidet, ob er anruft.

Signale, die ein Profil lebendig wirken lassen

Neben den Wörtern achten Researcher auf Signale. Ein vollständiges Profil mit aktuellem Foto, stimmigen Daten und Beschreibungen zu jeder relevanten Station wirkt gepflegt. Ein Profil, dessen letzte Änderung erkennbar Jahre zurückliegt, wirft die Frage auf, ob die Person überhaupt erreichbar ist.

Hilfreich sind außerdem gelegentliche, fachlich gehaltene Beiträge oder Kommentare zu Ihrem Thema. Sie zeigen, wofür Sie stehen, ohne dass Sie über einen Wechsel sprechen. Ein kurzer Kommentar mit einer eigenen Beobachtung unter dem Beitrag eines Branchenkollegen reicht oft. Wichtig ist die Richtung: Alles, was Sie zeigen, zahlt auf dieselben drei bis fünf Begriffe ein.

Auch Ihr Netzwerk wirkt als Signal. Verbindungen zu Personalberatern aus Ihrem Segment sorgen dafür, dass Ihr Profil in deren Umfeld häufiger erscheint. Zehn gezielte Kontakte zu Beratern, die in Ihrer Branche und auf Ihrer Ebene arbeiten, bringen mehr als hundert zufällige.

Diskretion: Sichtbar für die Richtigen

Viele Führungskräfte zögern, weil sie fürchten, dass der eigene Arbeitgeber jede Änderung bemerkt. Diese Sorge ist berechtigt und lässt sich gut steuern. In den Einstellungen können Sie festlegen, dass Ihr Netzwerk nicht über Profiländerungen informiert wird. Arbeiten Sie die Änderungen in Ruhe ein, in mehreren kleinen Schritten statt an einem Abend.

Die Funktion „Open to Work“ lässt sich so einstellen, dass nur Nutzer von Recruiting-Lizenzen sie sehen. LinkedIn bemüht sich nach eigener Aussage, Recruiter des eigenen Unternehmens auszublenden, sicher garantieren kann das niemand. Auf Top-Level ist der grüne Rahmen ohnehin keine gute Idee. Ein Profil, das gut gefunden wird, braucht dieses Signal nicht.

Diskret heißt auch: Ihr Profil beschreibt, was Sie können, nicht, dass Sie gehen wollen. Eine geschärfte Headline ist für Ihren Arbeitgeber unauffällig. Ein Satz wie „offen für neue Herausforderungen“ ist es nicht. Mehr dazu finden Sie unter diskrete Bewerbung.

Rechnen Sie einmal nach: Jeder Monat, in dem Ihr Profil in keiner Suche auftaucht, ist ein Monat, in dem Mandate an Ihnen vorbeilaufen. Wer früh gefunden wird, wählt aus mehreren Gesprächen, statt auf das eine zu hoffen, und hält seinen Marktwert stabil, während andere noch überlegen. Das spart Zeit und Nerven.

Häufige Fragen

Lesen Personalberater wirklich LinkedIn-Profile, oder arbeiten sie nur mit ihrer eigenen Datenbank?

Beides. Die eigene Datenbank ist der erste Blick, LinkedIn der zweite, oft parallel. Gerade bei Mandaten in neuen Branchen oder Regionen gleicht der Researcher seine Datenbank mit LinkedIn ab. Ein gut auffindbares Profil ist deshalb auch dann sinnvoll, wenn Sie schon bei einigen Beratungen bekannt sind.

Sollte ich meine Headline auf Englisch schreiben?

Das hängt davon ab, wo Ihre nächste Position liegt. Für den deutschsprachigen Mittelstand trägt eine deutsche Headline meist besser, für internationale Konzerne eine englische. Im Info-Bereich können Sie beide Sprachen abdecken, indem Sie die wichtigsten Begriffe auch in der jeweils anderen Sprache nennen.

Wie schnell wirken Änderungen am Profil?

Neue Begriffe sind sofort durchsuchbar. Ob daraus Anrufe entstehen, hängt davon ab, welche Mandate gerade laufen. Rechnen Sie eher in Wochen als in Tagen und prüfen Sie nach einigen Wochen, ob sich die Zahl der Profilaufrufe durch Personalberater verändert hat.

Sabine Lanius
Über die Autorin

Sabine Lanius ist Executive Karriereberaterin und ehemalige Headhunterin. Aktiv im Bereich Executive Sparring, Executive Search und berufliche Neuorientierung seit 1998. Rund 1.500 Führungskräfte beraten. Unabhängig von Unternehmen und Personalberatungen.

Mit welchen Begriffen würde ein Personalberater heute nach Ihnen suchen, und stehen genau diese Begriffe in Ihrem Profil?

Ein Erstgespräch mit Sabine Lanius.

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