Das erste Vorstellungsgespräch läuft per Video.
Wer den Bildschirm wie einen Besprechungsraum vorbereitet, kommt durch den ersten Filter und in das Gespräch, in dem entschieden wird.
Die erste Runde mit dem Personalberater findet heute fast immer am Bildschirm statt. Für Sie ist das bequem: kein Flug, kein halber Tag, ein Termin zwischen zwei anderen. Für den Berater ist es ein Filter. Er entscheidet in diesem Gespräch, ob er Sie seinem Mandanten vorstellt, und er sieht von Ihnen nur einen Ausschnitt aus Kopf, Schultern und Hintergrund. Dieser Beitrag zeigt, warum Führungskräfte in dieser Runde selten an der Qualifikation scheitern, was der Ausschnitt über Sie erzählt, wie Sie für eine Kamera sprechen und welcher Teil des Gesprächs beim Mandanten ankommt. Dadurch wirken Sie im Video so, wie Sie später am Tisch wirken, und der Berater kann Sie ohne Vorbehalt empfehlen.
Als Headhunterin habe ich Kandidaten noch persönlich im Büro empfangen. Der Händedruck, der Weg vom Empfang zum Besprechungsraum, die zwei Sätze über die Anreise: Bevor die erste Frage fiel, hatte ich schon einen Eindruck. Heute beginnt das erste Vorstellungsgespräch mit einem Klick, und der Eindruck entsteht in den ersten Sekunden, in denen das Bild steht. In Erstgesprächen erzählen mir Führungskräfte oft, das Videogespräch mit dem Berater sei gut gelaufen. Danach kam nichts mehr. Woran das liegen kann, steht in diesem Beitrag.
Warum das Videogespräch der härtere Filter ist
Ein Personalberater stellt seinem Mandanten am Ende drei bis fünf Kandidaten vor. Für jeden davon steht er mit seinem Namen ein. Jeder Kandidat, der beim Mandanten irritiert, kostet ihn Glaubwürdigkeit. Deshalb sucht er im ersten Gespräch zweierlei: Passt die Person fachlich, und gibt es irgendetwas, das ihn später in Erklärungsnot bringt?
Im Besprechungsraum hat er dafür eine Stunde und Ihre ganze Erscheinung. Im Video hat er einen Ausschnitt, einen Ton, der manchmal hallt, und eine Verzögerung von einer halben Sekunde, die jedes Gespräch ein wenig holpriger macht. Was am Tisch untergeht, fällt am Bildschirm auf: ein flackerndes Bild, ein Blick, der ständig nach unten wandert, ein Satz, der im Rauschen verschwindet.
An der Qualifikation scheitern Führungskräfte in dieser Runde selten. Die hat der Berater vorher aus Lebenslauf und Profil gelesen, sonst säßen Sie nicht im Gespräch. Sie scheitern an Dingen, die sich vorher regeln lassen. Der Berater wird Ihnen das nicht sagen. Er notiert vielleicht nur „wirkt im Video etwas distanziert“, und dieser Halbsatz reicht, um auf der Liste einen Platz nach hinten zu rutschen.
Wie Personalberater das Gespräch aufbauen und was sie fachlich prüfen, steht im Beitrag Erst der Berater, dann das Unternehmen. Hier geht es um das, was der Bildschirm hinzufügt.
Was der Bildausschnitt über Sie erzählt
Ihr Gegenüber kann nicht unterscheiden, ob ein schwaches Bild an Ihrer Kamera liegt oder an Ihrer Sorgfalt. Es nimmt nur wahr, dass jemand, der Bereiche mit Hunderten Mitarbeitern führt, sein eigenes Bild nicht im Griff hat. Das ist ungerecht, und es passiert trotzdem. Der Aufwand, es zu verhindern, ist klein.
- Ton vor Bild. Ein Gespräch mit mittelmäßigem Bild und klarem Ton funktioniert. Umgekehrt nicht. Ein externes Mikrofon auf dem Tisch ist die beste Investition für diese Runde.
- Kamera auf Augenhöhe. Laptop auf einen Stapel Bücher, Kopf und Schultern im Bild, oben etwas Luft. Wer von unten gefilmt wird, wirkt, als schaue er auf sein Gegenüber herab.
- Licht von vorn. Ein Fenster oder eine Leuchte hinter dem Bildschirm, nie hinter Ihnen. Brillenträger prüfen vorher, ob sich das Licht in den Gläsern spiegelt.
- Ein ruhiger Hintergrund. Eine Wand, ein Regal, nichts, was der Berater lesen will.
- Kleidung wie am Tisch. Das Sakko gehört auch ins Homeoffice. Kleine Muster flimmern im Bild.
- Kabel statt WLAN und ein Plan B. Die Mobilnummer des Beraters liegt neben der Tastatur. Bricht die Verbindung ab, rufen Sie innerhalb einer Minute an.
Im Zweifel bitten Sie zu Beginn kurz darum, dass Ihr Gegenüber Bild und Ton bestätigt. Das wirkt souverän und erspart beiden zehn Minuten Rätselraten.
Was Sie davon haben: Der Berater spricht über Ihre Erfahrung und nicht über Ihr Bild. Die ersten fünf Minuten gehören dem Inhalt.
Sprechen für eine Kamera
Am Tisch lesen Menschen einander mit dem ganzen Körper. Am Bildschirm fehlt das meiste davon, und die kleine Verzögerung der Leitung verschluckt die Signale, mit denen wir sonst den Wechsel im Gespräch steuern. Wer im Video so spricht wie im Büro, fällt seinem Gegenüber öfter ins Wort, als ihm lieb ist, und wirkt dadurch ungeduldiger, als er ist.
Drei Dinge helfen. Erstens: Antworten in Blöcken. Sagen Sie zu Beginn, wie viele Punkte kommen, und halten Sie jede Antwort bei ein bis zwei Minuten. Danach eine Pause, die etwas länger ist als am Tisch. Der Berater merkt, dass Sie fertig sind, und kann einhaken.
Zweitens: Blick in die Linse an den Stellen, die zählen. Niemand schaut eine Stunde lang in eine Kamera. Wenn Sie aber Ihre Wertthese sagen oder die Frage beantworten, warum Sie wechseln wollen, gehört der Blick in die Linse. Für den Berater ist das der Moment, in dem Sie ihn ansehen.
Drittens: Zustimmung sichtbar machen. Ein Nicken, ein kurzes „Ja, verstehe“ ersetzen das, was am Tisch die Körperhaltung erledigt. Ohne diese Signale sieht der Berater nur ein stilles Gesicht und weiß nicht, ob Sie ihm folgen.
Und der zweite Bildschirm mit Ihren Notizen bleibt aus. Berater sehen, wenn Ihr Blick zur Seite wandert, und sie ziehen daraus ihre Schlüsse.
Die Probe, die kaum jemand macht
Führungskräfte bereiten Inhalte gründlich vor: Wirkungsgeschichten, Zahlen, die Antwort auf die Wechselfrage. Ihr eigenes Bild im Video haben die wenigsten je gesehen, jedenfalls nicht so, wie ihr Gegenüber es sieht. Dabei ist die Probe in einer halben Stunde erledigt.
Starten Sie ein Meeting mit sich selbst, im Tool, das der Berater verwendet, am Platz, an dem Sie das Gespräch führen werden, zur Tageszeit des Termins. Nehmen Sie auf, wie Sie drei Fragen beantworten: Was haben Sie in Ihrer letzten Rolle bewegt? Warum wollen Sie wechseln? Was suchen Sie? Dann schauen Sie die Aufnahme zweimal an.
Beim ersten Mal ohne Ton. Sie sehen nur, was Ihr Körper erzählt: Schauen Sie in die Kamera oder auf den Bildschirmrand? Sitzen Sie aufrecht? Wirkt Ihr Gesicht beim Zuhören freundlich oder angestrengt? Beim zweiten Mal nur mit Ton, Bildschirm abgewandt. Jetzt hören Sie, ob Ihre Antworten einen Anfang und ein Ende haben und wie oft „ähm“ und „sozusagen“ fallen.
Viele sind nach dieser Probe überrascht, und meistens ist es eine Kleinigkeit: ein Licht von der Seite, ein Satz, der nie endet, ein Blick, der während der wichtigsten Antwort nach unten fällt. Sie lässt sich bis zum Termin abstellen. Wer mag, macht die Probe mit einem Sparringspartner, der Fragen stellt, die Sie nicht vorher kennen.
Was Sie davon haben: Sie wissen, wie Sie im Video wirken, bevor es der Berater weiß. Und Sie gehen ruhiger in den Termin, weil Sie die Situation einmal durchgespielt haben.
Was nach dem Auflegen beim Mandanten ankommt
Nach dem Gespräch schreibt der Berater eine Einschätzung für seinen Mandanten. Darin stehen Ihre Stationen und Ergebnisse, aber auch ein paar Sätze dazu, wie Sie wirken: im Auftreten, in der Art zu argumentieren, im Umgang mit kritischen Fragen. Diese Sätze entstehen aus dem Videogespräch. Der Mandant liest sie, bevor er Sie zum ersten Mal sieht.
Sie können diesen Text nicht schreiben. Sie können ihm aber eine Vorlage geben. Senden Sie noch am selben Tag eine kurze Mail: Dank für das Gespräch, ein Satz, der Ihre Wertthese für genau diese Position zuspitzt, und, wenn im Gespräch eine Frage offen blieb, die Antwort in zwei Sätzen. Hat die Technik gehakt, erwähnen Sie es einmal, ohne Entschuldigungskette. Dann ist die Sache erledigt.
Die erste Runde ist ein Filter. Wer ihn besteht, sitzt dem Mandanten bald selbst gegenüber, oft wieder am Bildschirm, manchmal am Tisch. Was Sie für das Gespräch mit dem Berater vorbereitet haben, trägt auch dort. Wie das Gespräch auf C-Level zu einem Dialog wird, steht im Beitrag Kein Vorstellungsgespräch.
Ergebnis vom Ergebnis: Dienstagnachmittag, Ihr Arbeitszimmer. Der Berater bittet Sie, in zwei Sätzen zu sagen, warum Sie wechseln wollen. Sie schauen in die Linse und antworten, ohne Blick auf einen Zettel. Am Ende sagt er: „Ich würde Sie gern nächste Woche dem Beirat vorstellen.“ Am Abend steht in Ihrem Postfach seine Terminanfrage, und Sie wissen, dass der Satz über Ihre Wirkung in seinem Bericht der ist, den Sie ihm geliefert haben.