"Stellen Sie sich doch mal kurz selbst vor!"

Diese Frage ist die klassische Erföffungsfrage eines Vorstellungsgeprächs.
Wissen Sie, wie Sie diese Frage beantworten - oder machen Sie das aus dem Stehgreif?
Wie lange dauert Ihre Selbstvorstellung haben Sie das schon mal gestopp?
ATS der Gatekeeper
Selbst vorstellung

In diesem Artikel erfahren Sie:

Inhaltsverzeichnis:
Hier finden Sie eine Übersicht der wichtigsten Themen zum Bewerben mit , die Ihnen helfen, Ihre Bewerbung optimal vorzubereiten.

ATS Der Türsteher, den man nicht erkennt

In immer mehr Bewerbungsprozessen – auch zunehmend auch im Bereich Executive Search – prüft zuerst ein ATS Ihren Lebenslauf und macht eine Vorselektion. Es gleicht Keywords mit der Stellenanzeige ab, bewertet Struktur, Lesbarkeit und Passung... Und wenn ein CV hier schon scheitert, sieht ihn oft gar kein Mensch mehr... Nicht nur Unternehmen sondern auch immer mehr Executive Search Firmen nutzen Applicant Tracking Systems (ATS), um trotz der Spezialisierung auf hochqualifizierte Führungskräfte eine hohe Effizienz, Professionalität und Datensicherheit im Recruiting-Prozess zu gewährleisten - und um die immer größerwerdenden Massen an generischen KI-generierten Bewerbungen vorzuselektieren.
Obwohl Executive Search oft auf Direktansprache basiert, hilft das ATS dabei, die Informationen tausender potenzieller Kandidaten strukturiert zu verwalten, den Auswahlprozess zu beschleunigen und die Kandidatenerfahrung (Candidate Experience) zu verbessern.
Die Hauptgründe für den Einsatz eines ATS von Seiten der Unternehmen und Executive Search sind:
  • Zentralisierung von Kandidatendaten: Ein ATS dient als zentrale Datenbank für alle Kandidateninformationen, Lebensläufe und Interaktionen. Dies ist entscheidend, um den Überblick über ein großes Netzwerk hochkarätiger Kontakte zu behalten.
  • Prozesseffizienz und Automatisierung: Automatisierte Funktionen wie Lebenslauf-Parsing, Terminvereinbarungen und E-Mail-Vorlagen sparen Zeit und reduzieren den manuellen Aufwand.
  • Datenschutz und Compliance: Ein professionelles ATS hilft, Datenschutzbestimmungen (wie DSGVO) einzuhalten, indem es die Speicherung und Löschung von Bewerberdaten dokumentiert.
  • Verbesserung der Candidate Experience: Durch automatisierte Benachrichtigungen und professionelle Kommunikation über das System wird die Kandidatenerfahrung verbessert, was besonders bei der diskreten Ansprache von Führungskräften wichtig ist.
  • Verbesserte Zusammenarbeit: Mehrere Berater und Researcher können gleichzeitig an einer Position arbeiten, Feedback hinterlassen und Kandidatenprofile teilen, was die Effizienz steigert.
  • Strukturiertes Reporting: ATS-Systeme ermöglichen das Tracking von Kennzahlen, um den Kunden (Unternehmen) den Fortschritt der Suche (z.B. "Longlist" bis "Shortlist") transparent darzulegen.
  • KI-gestützte Suche: Moderne ATS nutzen KI, um Profile schneller zu filtern und passende Kandidaten für spezialisierte Positionen zu identifizieren. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein ATS auch im gehobenen Personalmanagement (Executive Search) unerlässlich ist, um Prozesse zu strukturieren, die Datenhoheit zu behalten und die Effizienz im intensiven Wettbewerb um Top-Talente zu steigern. Das System: liest linear, nicht visuell

Weshalb starke Profile aussortiert werden können

In der Praxis zeigen sich mir häufig folgende Muster:
  1. Lebensläufe aus Agenturhand, die aus der Zei stammen als das noch nicht so relevant war
  2. Lebensläufen basierend auf eleganten Online-Vorlagen
  3. Design-starke CVs - basierend auf visuell starken Programmen (z.B. Canva)
Sie alle haben gemeinsam, dass sie für Menschen optimiert sind – oft nicht für ATS-Systeme.
Sie sehen für unsere Augen hochwertig aus. Sie sind es technisch oft nicht, denn PDF ist nicht gleich PDF. Was wir lesen können, kann ein ATS oft leider nicht erkennen.
Und ich möchte hier festhalten, dass ich Canva grundsätzlich sehr schätze... aber eben nicht in diesem Kontext.

Die häuftigsten ATS‒Stolpersteine

  1. Komplexe Layouts Mehrere Spalten, Tabellen, Textboxen oder grafische Elemente wirken modern. ATS-Systeme lesen jedoch von links nach rechts – wie ein schlichtes Textdokument. Die Folge kann sein: Die Inhalte geraten durcheinander und ergeben keinen Sinn mehr oder Zeiten verschieben sich und ergeben keinen Sinn mehr. Meine Empfehlung: Gestalten Sie Ihrem CV wieder "traditionell" linear in einem Word-Dokument.
  2. Grafische Skill-Darstellungen Balken, Punkte oder Regler sehen modern aus. Für viele ATS sind sie schlicht oft nicht entzifferbar. Folge: Diese Kompetenzen (z.B. Sprachen) tauchen im System nicht auf.
  3. Fehlende bzw. andere Keywords Das ATS gleicht Ihren CV Wort für Wort mit der Stellenanzeige ab. Ganz stumpf. Fehlen zentrale Begriffe (z.B. aus Jobtitel, den Anforderungen oder bei Technologien und Methoden. etc.) wird Ihr Profil automatisch niedriger gerankt. Synonyme helfen nicht immer. Wörtliche Übereinstimmung schon.
  4. Kreative Abschnittsüberschriften Einige der Führungspersönlichkeiten mit denen ich spreche, möchten nicht stumpf die Begriffe abschreiben - und möchten sich kreativ zeigen oder sagen, dass im Zeugnis aber ein anderer Begriff benutzt wurde... Dann lesen ich kreative Abschnittsüberschriften wie „Was ich mitbringe“ oder „Mein Karriereweg“... Das klingt sympathisch. Viele ATS-Systeme verstehen diese Überschriften nicht. Empfehlung: Nutzen Sie besser Standardbegriffe. Auch wenn sie weniger kreativ oder elegant wirken.
  5. Kontaktdaten in Kopf- oder Fußzeilen Ja: ich gebe es zu: Früher habe ich es sehr gerne empfohlen. Heute tue ich das Gegenteil, denn für ATS-Systeme ist das oft ein Showstopper. Wenn Name oder E-Mail nicht korrekt erkannt werden, kann der der Prozess vorzeitig enden.
  6. Canva versus Word In letzter Zeit habe ich häufiger Lebensläufe basierend auf Canva-Layouts gesehen. Ja, für uns Menschen sehen sie sehr elegant aus. Und ich höre dann oft: "Ich schick das ja als PDF raus! Dann ist es ja egal." Leider nicht. ATS lesen anders als wir - und Canva-Layots sind oft mehrspaltig und grafisch. Auch das kann dazu führen, dass der CV zu niedrig eingestuft wird oder als unlesbar aussortiert wird. Da wir mit dem Blick von außen oft nicht wissen, wie der Prozess technisch geteuert wird, empfehle ich inzwischen wieder einen relativ einfach strukturierten in Word erstellten CV als PDF zu verwenden.

Wie Sie die ATS‒Tauglichkeit Ihres CV prüfen können

Wie können Sie selbst prüfen, ob Ihr Lebenslauf tatsächlich ATS-lesbar ist? Die Antwort ist überraschend einfach (ein großes Dankeschön dafür an den engagierten Leser meines Posts auf Linkedin - Dimitri Gebel, Head of Marketing "Der schnellste Check (1 Minute): - Lebenslauf als PDF öffnen (im Browser oder PDF-Viewer) - gesamten Text markieren (Strg + A) - in einen reinen Text-Editor (z. B. Editor / Notepad) einfügen Das Ergebnis prüfen: - Ist der Text logisch von oben nach unten und links nach rechts lesbar? - Bleiben Überschriften, Stationen und Skills verständlich zusammen? ✅ Wenn ja: Der Lebenslauf ist in der Regel gut maschinenlesbar. ❌ Wenn nein: Dann scheitert er oft, bevor ihn ein Mensch sieht. Kein Tool. Keine Kosten. Nur ein einfacher Check, den viele nicht kennen." Zum anderen finden Sie im Internet finden Sie zahlreiche Seiten, auf denen Sie Ihren Lebenslauf auf ATS-Lesbarkeit testen können.
Hier exemplarisch ein Direktlink zu einer Seite, die ich aus Erfahrung kenne: Novorésumé ATS Lebenslauf‒Checker / Scanner. Natürlich können Sie auch andere Seiten nutzen.

Mein Fazit

Über Sinn oder Unsinn von ATS – ebenso über die moralische oder ethische Dimension – lässt sich trefflich diskutieren. Unterschiedliche Perspektiven und Stimmen dazu finden Sie in meinem LinkedIn‒Post zu diesem Thema
In diesem hier Artikel geht es mir nicht um Ethik oder gesellschaftlichen Diskurs zu dem Thema. Hier steht bei mir ganz pragmatisch Ihr Erfolg im Fokus: Mit diesem Know-how über ATS kommen Sie hoffentlich erfolgreich in Gespräche – für Positionen, die zu Ihrer Erfahrung und zu Ihrem Profil passen - und werden nicht wegen solcher technischer Details aussortiert. Es wäre zu bedauerlich, scheitert. Vor allem dann, wenn die Position fachlich hervorragend zu Ihnen passt.
Sabine Lanius
Über die Autorin
Sabine Lanius berät seit fast drei Jahrzehnten erfahrene Führungskräfte und Executives in Phasen beruflicher Neuorientierung. Als ehemalige Headhunterin kennt sie Executive-Search und Auswahl-Prozesse aus der Innenperspektive – und weiß, wie sich diese in den vergangenen Jahren verändert haben - d.h. wie Sie als Kandidat agieren sollten.
Wenn Sie mehr hören, sehen und sich vernetzen wollen, sind Sie herzlich WILLKOMMEN!

Was Sie sonst noch interessieren könnte:

Hier geht es (bald) zu anderen Artikeln, die Sie interessieren könnten:
Wie stellen Sie sich selbst vor - Ihr Pitch

Der klassische Einstieg: "Stellen Sie sich doch mal kurz selbst vor!"

Ob diese Frage so oder so ähnlich gestellt wird... Sie sollten einen Pitch haben, mit dem Sie sich vorstellen können... nicht nur im Job-Interview...
Ihre Erfolgsgeschichten

Was sagen Sie wenn Sie gefragt werden: "Geben Sie mir doch mal ein Beispiel dafür!?"

In der Praxis zeigt sich häufig: Ohne vorbereitete Erfolgsgeschichten wird aus einer guten Antwort ein ausschweifender Bericht oder eine Aneinanderreihung von Allgemeinplätzen. Beides kostet Sie Wirkung.